KONFERENZPROGRAMM

Quo vadis Datenmodellierung? Lakehouse, Datenprodukte & KI

Datenmodellierung ist nicht tot, aber sie wandelt sich: vom Schemadesign zu Semantik und Interoperabilität. Der Vortrag zeigt, warum Datenmodellierung auch im Lakehouse/Modern Data Stack zentral bleibt, wie sich Data Catalog und Business Glossary vom fachlichen Datenmodell abgrenzen und wie Datenprodukte per Data Contracts skalieren. Außerdem: wann Graph/Linked Data passen und welche Rolle Datenmodelle bei KI mit Text-to-SQL und RAG spielen – mit praxisnahen Beispielen aus verschiedenen Branchen wie Finanzdienstleistung, Energie und Umwelt.

Zielpublikum: Fach- und Führungskräfte aus Datenarchitektur und Datenmanagement, die moderne Datenplattformen weiterentwickeln und Datenprodukte sowie Data Governance gestalten – inkl. Verantwortliche, die KI-Use-Cases auf eine verlässliche Datenbasis stellen wollen.
Voraussetzungen: Grundverständnis von Datenarchitekturen sowie von Datenmodellierung. Begriffe wie Data Mesh, Data Products, Data Governance und Metadaten sollten bekannt sein.
Level: Advanced

Extended Abstract:
Modern Data Stack und Data Lakehouse senken die technischen Hürden, lösen aber die eigentliche Herausforderung nicht: die Bedeutung der Daten. In der Praxis führt „Schema-on-read“ ohne klare Semantik schnell zu KPI-Divergenzen, Join-Chaos, inkonsistenten Definitionen und steigender Governance-Schuld – besonders dort, wo Nachvollziehbarkeit und Stabilität geschäftskritisch sind, beispielsweise in regulierten Branchen wie der Finanzdienstleistung. Der Vortrag zeigt deshalb: Datenmodellierung ist nicht tot, sie hat jedoch ihren Schwerpunkt verlagert – weg vom reinen Datenbankentwurf hin zu Semantik und Interoperabilität.

Im Zentrum steht eine zeitgemäße Sicht auf Modellierung als Zusammenspiel mehrerer Ebenen: Data Catalog und Business Glossary helfen beim Auffinden und Benennen, reichen aber nicht aus, um Beziehungen, Granularitäten und fachliche Regeln zu verankern. Ein fachliches Datenmodell schafft diesen gemeinsamen Referenzrahmen. In Data Mesh- und Datenprodukt-Ansätzen wird Datenmodellierung zudem zum Interface-Design: Konsumenten brauchen nicht nur ein Schema, sondern verlässliche Zusagen zu Datenbedeutung und -qualität. Gleichzeitig gewinnt Interoperabilität an Bedeutung, sobald Daten domänen- oder organisationsübergreifend genutzt werden – etwa in Data-Spaces- oder Digital-Twin-Szenarien, wo gemeinsame Informationsmodelle und semantische Beschreibungen den Kontext über Systemgrenzen hinweg erhalten.

Ein weiterer Fokus liegt auf KI: Text-to-SQL, RAG und graphbasierte Verfahren profitieren stark von expliziter Semantik, definierten Begriffen und bekannten Beziehungen; ohne diese Leitplanken steigt das Risiko plausibler, aber falscher Antworten.

Die Inhalte werden anhand praxisnaher Beispiele aus Projekten im Finanzdienstleistungs-, Energie- und Smart-City-Umfeld illustriert. Ziel ist eine realistische Orientierung, wie Datenmodellierung in modernen Plattformen konkret eingesetzt wird, um Geschwindigkeit, Wiederverwendung, Governance und KI-Fähigkeit zusammenzubringen.

USTP – University of Applied Sciences St. Pölten
Head of Data Intelligence Research Group

Prof. Dr. Torsten Priebe lehrt und forscht im Bereich Data Science und KI an der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. Er leitet dort die Forschungsgruppe Data Intelligence mit Projekten zu Datenökosystemen und vertrauenswürdiger KI in Bereichen wie Energie, Umwelt und Smart Cities. Zuvor war er in leitenden Rollen in der Beratung und ist weiterhin als unabhängiger Advisor für Datenmanagement und Data Governance insbesondere in der Finanzdienstleistung tätig.

Erste Group
Business Analyst Expert

Stefan Markus ist Business Analyst Expert bei Erste Group, einem der führenden Finanzdienstleister in Zentral- und Osteuropa. In dieser Rolle übersetzt er fachliche Anforderungen in robuste und nachvollziehbare Datenstrukturen, mit Schwerpunkt auf fachlicher Datenmodellierung. Zuvor war er als Solution Architect mit ähnlichem Fokus bei Simplity und Teradata in spannenden Projekten involviert – vornehmlich im Finanzdienstleistungs- und Energiesektor.

Torsten Priebe, Stefan Markus
09:00 - 10:00
Vortrag: Mi 1.1

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